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Kosten­erstattung: Psychotherapie in Würzburg für gesetzlich Versicherte

Gesetzlich Krankenversicherte haben das Recht auf eine rechtzeitige Behandlung. Finden Sie keinen Therapieplatz mit Kassenzulassung, muss die Krankenkasse die Kosten für eine Privatpraxis erstatten (§ 13 Abs. 3 SGB V).

Wichtig vorab

Das Verfahren erfordert etwas Eigeninitiative, da die Krankenkasse Nachweise über Ihre erfolglose Suche benötigt. Diese Anleitung führt Sie Schritt für Schritt durch den Prozess.

Freie Therapieplätze in Würzburg für gesetzlich Versicherte: so geht es

Kassenpraxen in Würzburg haben oft Wartezeiten von vielen Monaten oder geschlossene Wartelisten. In meiner Privatpraxis sind aktuell Plätze frei, auch kurzfristig. Gesetzlich Versicherte können diese Plätze nutzen und die Kosten von der Krankenkasse erstatten lassen. Der Weg in drei Schritten:

  • Nachweise sammeln: PTV11 mit Vermerk „zeitnahe Behandlung erforderlich“ aus der Sprechstunde einer Kassenpraxis, dazu fünf bis fünfzehn dokumentierte Absagen (Vorlage unten).
  • Antrag vor Behandlungsbeginn stellen: formlos bei der Krankenkasse nach § 13 Abs. 3 SGB V, Musterschreiben unten. Die Kasse muss innerhalb von drei Wochen antworten.
  • Termin bei mir anfragen: Ich melde mich spätestens am nächsten Werktag bei Ihnen. Den Antragsweg besprechen wir im Erstkontakt gemeinsam.

Ohne Kassenzulassung, aber mit Approbation und Eintrag im Arztregister der KVB: Das ist die Voraussetzung, damit die Krankenkasse erstatten darf, und sie ist erfüllt. Für Privatversicherte, Beihilfeberechtigte und Selbstzahler ist kein Antrag nötig, Details unter Kosten und Abrechnung.

Termin anfragen
1.

Erstgespräch & Dringlichkeit

Kontaktieren Sie die Terminservicestelle (Tel: 116 117), um einen Termin für eine psychotherapeutische Sprechstunde (Erstgespräch) zu erhalten. Tipp: Ihr Hausarzt kann Ihnen eine Überweisung mit Dringlichkeitscode ausstellen – damit vermittelt die Terminservicestelle schneller einen Termin.

Im Erstgespräch stellt der Psychotherapeut das Formular PTV11 aus. Auf diesem muss der Vermerk „zeitnahe Behandlung erforderlich" angekreuzt und ein Vermittlungscode eingetragen sein. Dieses Formular ist die Grundlage für den Kostenerstattungsantrag.

2.

Absagen protokollieren

Sie müssen gegenüber der Krankenkasse nachweisen, dass Sie trotz ernsthafter Bemühungen keinen Therapieplatz bei einem Therapeuten mit Kassenzulassung gefunden haben. Fragen Sie vorab bei Ihrer Krankenkasse nach, wie viele Absagen erwartet werden – üblich sind 5–15 dokumentierte, erfolglose Kontaktversuche.

Schritt 1: Passende Praxen finden

Nutzen Sie die offizielle Therapeutensuche der Kassenärztlichen Vereinigung:

arztsuche.116117.de öffnen
  1. Geben Sie Ihre Postleitzahl ein.
  2. Wählen Sie als Fachrichtung „Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie".
  3. Achtung: Wählen Sie nicht „Kinder- und Jugendpsychiatrie" – das ist eine andere Fachrichtung und zählt nicht.
  4. Kontaktieren Sie möglichst viele Praxen aus den Ergebnissen.

Schritt 2: Praxen kontaktieren

  • Schreiben Sie möglichst per E-Mail, um einen schriftlichen Nachweis für die Krankenkasse zu haben.
  • Ist der Kontakt nur via Telefon möglich, bitten Sie ausdrücklich um eine schriftliche Rückmeldung zur Wartezeit oder Aufnahmestopp.
  • Gültige Absagen sind z.B.: „Warteliste geschlossen", „keine freien Plätze", „Wartezeit über 3 Monate" oder „aktuell nur Neuaufnahme von Privatpatienten".
  • Halten Sie Datum, Praxisname und Antwort im Protokoll fest.

E-Mail Vorlage

Protokoll-Vorlage

Nutzen Sie meine kostenlose Vorlage, um Ihre Kontaktversuche lückenlos zu dokumentieren.

als Excel herunterladen
3.

Kontakt mit meiner Praxis

Nehmen Sie Kontakt mit meiner Praxis auf. In einem kostenfreien telefonischen Erstkontakt lernen wir uns kennen und klären Ihr Anliegen.

Optional biete ich ein ausführliches Erstgespräch an, in dem Diagnose und Behandlungsbedarf festgestellt werden. Dies ist besonders empfehlenswert, wenn beim Erstgespräch mit der Kassenpraxis (Schritt 1) Diagnose, Behandlungsbedarf und Therapieumfang nicht ausreichend konkretisiert wurden. Zudem können Sie sich dabei ein Bild machen, ob die persönliche Chemie stimmt.

Hinweis: Die Kosten für das Erstgespräch in einer Privatpraxis werden von der gesetzlichen Krankenkasse nicht erstattet.

Kontaktanfrage stellen
4.

Konsiliarbericht einholen

Vor Beginn der Psychotherapie muss ein Arzt (Hausarzt, Kinderarzt oder Psychiater) feststellen, dass keine körperlichen Ursachen für die Beschwerden vorliegen. Bitten Sie Ihren Arzt um das Ausstellen eines Konsiliarberichts.

5.

Antrag bei der Krankenkasse stellen

Reichen Sie alle Unterlagen mit einem formalen Antrag auf Kostenerstattung bei Ihrer Krankenkasse ein. Stellen Sie den Antrag vor Behandlungsbeginn.

  • PTV11 mit Vermerk „zeitnahe Behandlung erforderlich"
  • Suchprotokoll mit dokumentierten Absagen
  • Nachweis der erfolglosen Vermittlung durch die Terminservicestelle (116 117)
  • Konsiliarbericht des Haus- oder Kinderarztes
  • Bescheinigung meiner Praxis über freien Platz, Behandlungsbeginn und Qualifikation (erhalten Sie von mir)

Die Krankenkasse muss innerhalb von 3 Wochen (bzw. 5 Wochen bei Gutachterbeteiligung) entscheiden. Bei Ablehnung können Sie innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen.

E-Mail Betreff

E-Mail Text

So unterstütze ich Sie beim Antrag

Das Verfahren wirkt auf den ersten Blick aufwendig. Die Nachweise über Ihre Suche müssen Sie selbst sammeln, alles andere liefere ich Ihnen. Sie erhalten von mir:

  • Bescheinigung über den freien Behandlungsplatz mit möglichem Behandlungsbeginn. Die Krankenkasse sieht damit, dass die Behandlung kurzfristig starten kann.
  • Nachweis meiner Qualifikation: Approbation als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, Fachkunde Verhaltenstherapie, Eintrag im Arztregister der KVB. Das sind die Voraussetzungen, unter denen die Kasse erstatten darf.
  • Diagnose und Behandlungsbedarf nach dem Erstgespräch, formuliert so, wie die Kasse es für die Prüfung braucht.
  • Durchsicht Ihres Antrags vor dem Absenden, damit kein Nachweis fehlt und die Kasse nicht nachfordern muss.
  • Stellungnahme bei einer Ablehnung für Ihren Widerspruch.

Mit vollständigen Unterlagen entscheiden die Kassen in der Regel innerhalb der gesetzlichen Frist von drei Wochen. Aktuell sind Plätze frei, der Behandlungsbeginn ist kurzfristig möglich.

Erstkontakt anfragen

Hinweise zu Ihrer Krankenkasse

Der Anspruch aus § 13 Abs. 3 SGB V gilt bei allen gesetzlichen Kassen gleich. Unterschiede gibt es beim Einreichungsweg und bei der Zahl der erwarteten Absagen. Fragen Sie diese Zahl vorab telefonisch ab und notieren Sie Datum und Namen der Auskunft.

Techniker Krankenkasse (TK)

  • Antrag und Nachweise per Post oder über „Dokumente einreichen“ in der TK-App.
  • Bei Kindern und Jugendlichen zahlt die TK bis zu fünf psychotherapeutische Sprechstunden; das PTV11 aus dieser Sprechstunde ist Ihre Grundlage.
  • Vorab beim Fachteam Psychotherapie erfragen, wie viele Absagen erwartet werden.
TK: Psychotherapie beantragen

AOK Bayern

  • Zuständig ist die AOK-Direktion Ihrer Region; in Würzburg gibt es eine Geschäftsstelle. Antrag über „Meine AOK“, per Post oder persönlich mit Eingangsbestätigung.
  • Die AOK verweist Versicherte stark auf die Terminservicestelle. Dokumentieren Sie deren Rückmeldung deshalb besonders sorgfältig, am besten schriftlich.
  • Bei Kindern und Jugendlichen gelten bis zu sechs probatorische Sitzungen.
AOK Bayern: Ambulante Psychotherapie

Barmer

  • Antrag über „Meine Barmer“ oder per Post.
  • Die Barmer verlangt für jede Psychotherapie den Konsiliarbericht des Kinder- oder Hausarztes. Legen Sie ihn dem Antrag direkt bei, das spart eine Nachforderung.
  • Vermittlungscode aus der Sprechstunde unbedingt angeben.
Barmer: Kostenübernahme Psychotherapie

DAK-Gesundheit

  • Antrag über „Meine DAK“ oder per Post.
  • Die „selbstgewählte Kostenerstattung“ der DAK ist ein anderes Verfahren und gilt nicht für Privatpraxen. Beziehen Sie sich ausdrücklich auf § 13 Abs. 3 SGB V.
  • Der DAK-Arztfinder zeigt Kassenpraxen für Ihr Suchprotokoll.
DAK: Psychotherapie und Kosten

Verwechslungsgefahr: zwei Arten von „Kostenerstattung“

Viele Kassen bieten eine selbstgewählte Kostenerstattung nach § 13 Abs. 2 SGB V an. Dabei zahlen Sie Rechnungen von Kassenpraxen selbst und bekommen einen Teil zurück. Das ist nicht das hier beschriebene Verfahren und gilt nicht für Privatpraxen. Schreiben Sie im Antrag deshalb ausdrücklich „Kostenerstattung nach § 13 Abs. 3 SGB V wegen fehlender zeitnaher Behandlungsmöglichkeit“. Andere Kasse als die vier genannten? Der Weg ist derselbe: Antrag vor Behandlungsbeginn, Nachweise beilegen, Eingang bestätigen lassen.

Häufige Fragen zur Kostenerstattung

Wie viele Absagen brauche ich für das Kostenerstattungsverfahren?

Eine gesetzliche Zahl gibt es nicht. Die Kassen erwarten erfahrungsgemäß fünf bis fünfzehn dokumentierte Absagen von Praxen mit Kassenzulassung für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie, dazu den Nachweis, dass die Terminservicestelle 116 117 keinen zeitnahen Termin vermitteln konnte. Fragen Sie Ihre Kasse vorab nach der erwarteten Zahl und halten Sie Datum und Namen der Auskunft fest.

Wie lange dauert das Kostenerstattungsverfahren?

Das Sammeln der Nachweise dauert meist zwei bis vier Wochen. Danach muss die Krankenkasse innerhalb von drei Wochen entscheiden, bei Einschaltung des Medizinischen Dienstes innerhalb von fünf Wochen (§ 13 Abs. 3a SGB V). Teilt sie Ihnen bis dahin weder eine Entscheidung noch einen hinreichenden Grund für die Verzögerung mit, dürfen Sie sich die Behandlung selbst beschaffen.

Gilt das Verfahren auch für Kinder und Jugendliche?

Ja. Für Kinder und Jugendliche stellen die Eltern den Antrag. Bei der Terminservicestelle und in der Praxissuche wählen Sie die Fachrichtung Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie, nicht Kinder- und Jugendpsychiatrie. Die Kassen zahlen bei Kindern und Jugendlichen mehr Sprechstunden als bei Erwachsenen, das PTV11 aus der Sprechstunde bleibt die Grundlage.

Ich studiere in Würzburg und bin über meine Eltern versichert. Geht das trotzdem?

Ja. Die Familienversicherung ändert nichts am Anspruch. Ab 18 stellen Sie den Antrag selbst, Ihre Eltern werden nicht informiert. Behandlungsbeginn bei mir ist bis zum 21. Geburtstag möglich, eine begonnene Therapie läuft danach weiter.

Was ist der Unterschied zur „selbstgewählten Kostenerstattung“ meiner Kasse?

Die selbstgewählte Kostenerstattung nach § 13 Abs. 2 SGB V ist eine Abrechnungsart für Kassenpraxen: Sie zahlen selbst und bekommen einen Teil zurück, meist mit Abschlägen. Das hier beschriebene Verfahren nach § 13 Abs. 3 SGB V greift, wenn die Kasse keine zeitnahe Behandlung sicherstellen kann, und erlaubt die Behandlung in einer Privatpraxis. Nennen Sie im Antrag ausdrücklich Absatz 3.

Was passiert, wenn die Krankenkasse ablehnt?

Sie können innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen. Fordern Sie die Begründung an, ergänzen Sie fehlende Nachweise und legen Sie eine Stellungnahme der Praxis bei, die ich Ihnen schreibe. Häufige Ablehnungsgründe sind zu wenige dokumentierte Absagen oder ein fehlender Nachweis der Terminservicestelle; beides lässt sich nachreichen. Unabhängige Hilfe bietet die Unabhängige Patientenberatung Deutschland.

Brauchen Sie Unterstützung?

Im Erstkontakt besprechen wir Ihren Antragsweg, und Sie bekommen die Bescheinigung für die Kasse von mir. Ich melde mich spätestens am nächsten Werktag bei Ihnen.