Schulangst und Schulverweigerung: Was steckt dahinter und wie Eltern jetzt helfen
Schulangst, Schulphobie oder Schwänzen? Was hinter Schulverweigerung steckt, woran Eltern Warnsignale erkennen und welche Therapie wirklich hilft.
Artikel lesenDieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine professionelle Diagnostik oder Behandlung. Bei Verdacht auf eine psychische Erkrankung wenden Sie sich bitte an eine Fachperson.
„Mein Kind kann sich einfach nicht konzentrieren", „Er ist ständig in Bewegung", „Sie träumt nur vor sich hin" – solche Beobachtungen machen viele Eltern im Entwicklungsverlauf ihrer Kinder. Doch wann sprechen wir von entwicklungsbedingten Phasen und wann von einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)?
ADHS ist eine der häufigsten neurobiologischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Sie ist gekennzeichnet durch Kernsymptome in drei Bereichen: Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität (motorische Unruhe) und Impulsivität. Es gibt auch die Variante ohne ausgeprägte Hyperaktivität, oft als ADS (Träumer-Typ) bezeichnet, die häufiger bei Mädchen auftritt und oft später diagnostiziert wird.
Quelle: KiGGS-Studie, Robert Koch-Institut (2018)
Die Zahlen verdeutlichen zweierlei: ADHS betrifft deutlich mehr Jungen als Mädchen – und sie tritt besonders häufig im Grundschulalter auf, wenn schulische Anforderungen die Symptome sichtbar machen.
ADHS zeigt sich nicht nur in der Schule, sondern in verschiedenen Lebensbereichen – zu Hause, in der Schule und in der Freizeit. Entscheidend ist, dass die Symptome situationsübergreifend auftreten. Typische Anzeichen können sein:
Eine ADHS-Diagnose wird nicht aufgrund einer einzigen Beobachtung gestellt. Sie erfordert eine umfassende psychologische und medizinische Abklärung – und das ist gut so, denn nur eine sorgfältige Diagnostik schafft die Grundlage für eine wirksame Unterstützung.
Die Behandlung von ADHS baut auf mehreren Säulen auf – Fachleute sprechen von einem multimodalen Ansatz. Ein zentraler Baustein ist die Verhaltenstherapie: Eltern lernen, wie sie den Alltag strukturieren und das Kind positiv unterstützen können (Elterntraining). Das Kind selbst erarbeitet Strategien, um Aufmerksamkeit besser zu steuern, Impulse zu kontrollieren und Misserfolge konstruktiv zu verarbeiten.
Zusätzlich kann – je nach individuellem Bedarf – eine medikamentöse Behandlung sinnvoll sein. Ebenso wichtig sind eine enge Zusammenarbeit mit der Schule und, besonders bei Jugendlichen, das Entwickeln von Kompensationsstrategien für den Alltag.
Wenn Eltern an ADHS denken, haben viele das Bild eines unruhigen, impulsiven Jungen vor Augen. Doch ADHS zeigt sich bei Mädchen häufig ganz anders – und wird deshalb oft jahrelang nicht erkannt. Mädchen haben seltener die auffällige Hyperaktivität; bei ihnen überwiegt häufig die unaufmerksame Form (ADS): Sie träumen im Unterricht vor sich hin, verlieren den Faden in Gesprächen oder vergessen Aufgaben – ohne dabei zu stören.
| Merkmal | Häufig bei Jungen | Häufig bei Mädchen |
|---|---|---|
| Hauptsymptom | Hyperaktivität, Impulsivität | Unaufmerksamkeit, Tagträumen |
| Auffälligkeit | Oft früh sichtbar, stört den Unterricht | Unauffällig, wird leicht übersehen |
| Sozialverhalten | Konflikte, impulsive Reaktionen | Anpassung, soziale Überanstrengung |
| Begleitprobleme | Aggressivität, Schulprobleme | Angst, Depression, geringes Selbstwertgefühl |
| Diagnosezeitpunkt | Meist Grundschulalter | Oft erst Jugendalter oder später |
| Kompensation | Weniger ausgeprägt | Oft jahrelang durch großen Aufwand |
Quelle: Döpfner et al. (2019): ADHS – Von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter
Diese unauffällige Form der ADHS führt dazu, dass Mädchen ihre Schwierigkeiten oft lange Zeit durch enormen Aufwand kompensieren, bis sie im Jugendalter erschöpft sind. Depressionen, Angststörungen oder ein geringes Selbstwertgefühl treten dann in den Vordergrund – während die eigentliche ADHS unerkannt bleibt. Wenn Sie bei Ihrer Tochter solche Muster beobachten, nehmen Sie Ihre Wahrnehmung ernst.
Neben der professionellen Behandlung spielen Sie als Elternteil eine entscheidende Rolle dabei, wie gut Ihr Kind mit ADHS den Alltag bewältigt. Einige Strategien, die sich in der Praxis bewährt haben:
Kinder und Jugendliche mit ADHS werden oft nur über ihre Schwierigkeiten definiert. Dabei bringen sie häufig bemerkenswerte Stärken mit: Sie sind oft kreativ, begeisterungsfähig und feinfühlig, haben einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und können sich bei Themen, die sie wirklich fesseln, mit außergewöhnlicher Ausdauer fokussieren – der sogenannte Hyperfokus.
Ziel der Therapie ist nicht, aus einem Kind mit ADHS ein anderes Kind zu machen. Es geht darum, Strategien zu entwickeln, die das Kind befähigen, sein Potenzial zu entfalten – mit seinen Eigenheiten, nicht gegen sie.
In meiner Praxis für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie in Würzburg biete ich evidenzbasierte Verhaltenstherapie für Kinder und Jugendliche mit ADHS an. Die Therapie umfasst unter anderem Aufmerksamkeitstraining, Elternberatung und die Entwicklung alltagstauglicher Strategien. Mehr über den Ablauf einer Therapie erfahren Sie auf meiner Website.
Sollten Sie bei Ihrem Kind Anzeichen einer ADHS vermuten oder Fragen zur Diagnostik und Behandlung haben, nehmen Sie gerne Kontakt auf – ich berate Sie unverbindlich in einem Erstgespräch.
Dieser Artikel wurde verfasst von Madlen Voigt, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin. In meiner Praxis in Würzburg biete ich diagnostische und therapeutische Hilfe bei psychischen Belastungen an.
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