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7. Februar 2026 12 Min. Lesezeit Madlen Voigt

ADHS bei Kindern und Jugendlichen: Symptome erkennen und verstehen

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine professionelle Diagnostik oder Behandlung. Bei Verdacht auf eine psychische Erkrankung wenden Sie sich bitte an eine Fachperson.

„Mein Kind kann sich einfach nicht konzentrieren", „Er ist ständig in Bewegung", „Sie träumt nur vor sich hin" – solche Beobachtungen machen viele Eltern im Entwicklungsverlauf ihrer Kinder. Doch wann sprechen wir von entwicklungsbedingten Phasen und wann von einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)?

Was ist ADHS eigentlich?

ADHS ist eine der häufigsten neurobiologischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Sie ist gekennzeichnet durch Kernsymptome in drei Bereichen: Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität (motorische Unruhe) und Impulsivität. Es gibt auch die Variante ohne ausgeprägte Hyperaktivität, oft als ADS (Träumer-Typ) bezeichnet, die häufiger bei Mädchen auftritt und oft später diagnostiziert wird.

ADHS-Prävalenz bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland
Jungen (gesamt)7.9%
Mädchen (gesamt)4.4%
Jungen (6–10 J.)9.4%
Mädchen (6–10 J.)4.8%

Quelle: KiGGS-Studie, Robert Koch-Institut (2018)

Die Zahlen verdeutlichen zweierlei: ADHS betrifft deutlich mehr Jungen als Mädchen – und sie tritt besonders häufig im Grundschulalter auf, wenn schulische Anforderungen die Symptome sichtbar machen.

Kernsymptome im Alltag erkennen

ADHS zeigt sich nicht nur in der Schule, sondern in verschiedenen Lebensbereichen – zu Hause, in der Schule und in der Freizeit. Entscheidend ist, dass die Symptome situations­übergreifend auftreten. Typische Anzeichen können sein:

Kernsymptom 1

Unaufmerksamkeit

  • Leichtes Ablenken durch unwichtige Reize
  • Schwierigkeiten, bei einer Aufgabe zu bleiben, besonders wenn sie als anstrengend oder langweilig empfunden wird (z. B. Hausaufgaben)
  • Übersehen von Details und Flüchtigkeitsfehler
  • Häufiges Verlieren oder Vergessen von Arbeitsmaterialien
  • Schwierigkeiten beim Organisieren von Aufgaben
Kernsymptom 2

Hyperaktivität

  • Ständiges Zappeln mit Händen oder Füßen
  • Schwierigkeiten, in Situationen sitzen zu bleiben, in denen es erwartet wird (Klassenzimmer, Esstisch)
  • Übermäßiges Reden oder Herumrennen
  • Bei Jugendlichen zeigt sich dies oft eher als ein Gefühl der inneren Rastlosigkeit
Kernsymptom 3

Impulsivität

  • Handeln, ohne über die Konsequenzen nachzudenken
  • Schwierigkeiten zu warten, bis man an der Reihe ist
  • Häufiges Unterbrechen oder Stören anderer (in Gesprächen oder Spielen)

Der Weg zur Diagnose

Eine ADHS-Diagnose wird nicht aufgrund einer einzigen Beobachtung gestellt. Sie erfordert eine umfassende psychologische und medizinische Abklärung – und das ist gut so, denn nur eine sorgfältige Diagnostik schafft die Grundlage für eine wirksame Unterstützung.

So läuft eine ADHS-Diagnostik ab
  1. 1
    Ausführliche Anamnese
    Gespräche mit Eltern und Kind/Jugendlichem bilden den Ausgangspunkt. Hier geht es um die Entwicklungsgeschichte, den Schulalltag und das familiäre Umfeld.
  2. 2
    Informationen aus dem Umfeld
    Fragebögen für Lehrkräfte oder Erzieher/innen helfen, das Verhalten in verschiedenen Kontexten einzuschätzen – denn ADHS zeigt sich nicht nur zu Hause.
  3. 3
    Verhaltensbeobachtung
    Die Fachperson beobachtet das Kind in standardisierten Situationen, um klinische Eindrücke zu gewinnen und das Verhalten direkt einzuschätzen.
  4. 4
    Leistungs- und Konzentrationstests
    Standardisierte Tests erfassen Aufmerksamkeit, Arbeitsgedächtnis und Verarbeitungsgeschwindigkeit – und unterscheiden ADHS von anderen Lernschwierigkeiten.
  5. 5
    Medizinische Untersuchung
    Körperliche Ursachen wie Schilddrüsenprobleme, Schlafstörungen oder Hörschwächen werden ausgeschlossen, bevor eine Diagnose gestellt wird.

Therapie und Unterstützung

Die Behandlung von ADHS baut auf mehreren Säulen auf – Fachleute sprechen von einem multimodalen Ansatz. Ein zentraler Baustein ist die Verhaltenstherapie: Eltern lernen, wie sie den Alltag strukturieren und das Kind positiv unterstützen können (Elterntraining). Das Kind selbst erarbeitet Strategien, um Aufmerksamkeit besser zu steuern, Impulse zu kontrollieren und Misserfolge konstruktiv zu verarbeiten.

Zusätzlich kann – je nach individuellem Bedarf – eine medikamentöse Behandlung sinnvoll sein. Ebenso wichtig sind eine enge Zusammenarbeit mit der Schule und, besonders bei Jugendlichen, das Entwickeln von Kompensationsstrategien für den Alltag.

ADHS bei Mädchen: Das unterschätzte Erscheinungsbild

Wenn Eltern an ADHS denken, haben viele das Bild eines unruhigen, impulsiven Jungen vor Augen. Doch ADHS zeigt sich bei Mädchen häufig ganz anders – und wird deshalb oft jahrelang nicht erkannt. Mädchen haben seltener die auffällige Hyperaktivität; bei ihnen überwiegt häufig die unaufmerksame Form (ADS): Sie träumen im Unterricht vor sich hin, verlieren den Faden in Gesprächen oder vergessen Aufgaben – ohne dabei zu stören.

ADHS bei Jungen und Mädchen im Vergleich
MerkmalHäufig bei JungenHäufig bei Mädchen
HauptsymptomHyperaktivität, ImpulsivitätUnaufmerksamkeit, Tagträumen
AuffälligkeitOft früh sichtbar, stört den UnterrichtUnauffällig, wird leicht übersehen
SozialverhaltenKonflikte, impulsive ReaktionenAnpassung, soziale Überanstrengung
BegleitproblemeAggressivität, SchulproblemeAngst, Depression, geringes Selbstwertgefühl
DiagnosezeitpunktMeist GrundschulalterOft erst Jugendalter oder später
KompensationWeniger ausgeprägtOft jahrelang durch großen Aufwand

Quelle: Döpfner et al. (2019): ADHS – Von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter

Diese unauffällige Form der ADHS führt dazu, dass Mädchen ihre Schwierigkeiten oft lange Zeit durch enormen Aufwand kompensieren, bis sie im Jugendalter erschöpft sind. Depressionen, Angststörungen oder ein geringes Selbstwertgefühl treten dann in den Vordergrund – während die eigentliche ADHS unerkannt bleibt. Wenn Sie bei Ihrer Tochter solche Muster beobachten, nehmen Sie Ihre Wahrnehmung ernst.

Was Eltern im Alltag helfen kann

Neben der professionellen Behandlung spielen Sie als Elternteil eine entscheidende Rolle dabei, wie gut Ihr Kind mit ADHS den Alltag bewältigt. Einige Strategien, die sich in der Praxis bewährt haben:

  • Klare Struktur und Routinen: Feste Tagesabläufe reduzieren die kognitive Last erheblich. Wann gibt es Hausaufgaben, wann Freizeit, wann Abendbrot? Vorhersehbarkeit ist für Kinder mit ADHS besonders wertvoll.
  • Kleine Aufgabenschritte: Statt „Räum dein Zimmer auf" lieber „Leg zuerst die Bücher ins Regal". Große Aufgaben überfordern – einzelne Schritte schaffen Erfolgserlebnisse.
  • Positive Verstärkung: Loben Sie konkretes Verhalten sofort und gezielt: „Du hast 15 Minuten konzentriert gearbeitet – das war klasse." Das wirkt deutlich besser als allgemeines Lob oder häufige Kritik.
  • Bewegungspausen einplanen: Kurze Bewegungseinheiten zwischen Lernphasen helfen, die Aufmerksamkeit zu regulieren. Fünf Minuten Toben oder Hüpfen können mehr bringen als 30 Minuten erzwungenes Stillsitzen.
  • Ruhiger Lernplatz: Ablenkungen minimieren – kein Handy, kein Fernseher im Hintergrund, möglichst reizarme Umgebung.

Ein positiver Blick auf ADHS

Kinder und Jugendliche mit ADHS werden oft nur über ihre Schwierigkeiten definiert. Dabei bringen sie häufig bemerkenswerte Stärken mit: Sie sind oft kreativ, begeisterungsfähig und feinfühlig, haben einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und können sich bei Themen, die sie wirklich fesseln, mit außergewöhnlicher Ausdauer fokussieren – der sogenannte Hyperfokus.

Ziel der Therapie ist nicht, aus einem Kind mit ADHS ein anderes Kind zu machen. Es geht darum, Strategien zu entwickeln, die das Kind befähigen, sein Potenzial zu entfalten – mit seinen Eigenheiten, nicht gegen sie.

ADHS-Therapie in Würzburg

In meiner Praxis für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie in Würzburg biete ich evidenzbasierte Verhaltenstherapie für Kinder und Jugendliche mit ADHS an. Die Therapie umfasst unter anderem Aufmerksamkeitstraining, Elternberatung und die Entwicklung alltagstauglicher Strategien. Mehr über den Ablauf einer Therapie erfahren Sie auf meiner Website.

Sollten Sie bei Ihrem Kind Anzeichen einer ADHS vermuten oder Fragen zur Diagnostik und Behandlung haben, nehmen Sie gerne Kontakt auf – ich berate Sie unverbindlich in einem Erstgespräch.

Über die Autorin

Dieser Artikel wurde verfasst von Madlen Voigt, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin. In meiner Praxis in Würzburg biete ich diagnostische und therapeutische Hilfe bei psychischen Belastungen an.

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