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14. März 2026 11 Min. Lesezeit Madlen Voigt

Schlafstörungen bei Kindern und Jugendlichen: Ursachen, Tipps und wann Therapie hilft

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine professionelle Diagnostik oder Behandlung. Bei Verdacht auf eine psychische Erkrankung wenden Sie sich bitte an eine Fachperson.

Es ist 22:30 Uhr. Eigentlich sollte Lina längst schlafen. Stattdessen wälzt sich die 11-Jährige seit zwei Stunden im Bett, weint leise vor sich hin: „Ich kann nicht einschlafen, Mama." Am nächsten Morgen ist sie kaum aus dem Bett zu bekommen, in der Schule müde, gereizt – und am Abend beginnt das Ganze von vorn. Solche Szenen kennen viele Eltern. Was als „nur eine Phase" beginnt, kann sich über Wochen oder Monate hinziehen – und alle in der Familie zermürben.

Schlafstörungen bei Kindern und Jugendlichen sind kein Randthema, sondern eines der häufigsten Gesundheitsprobleme im Schulalter. Laut dem aktuellen DAK-Präventionsradar 2025 schläft mehr als jedes dritte Schulkind in Deutschland (37 %) regelmäßig schlecht (DAK-Gesundheit, 2025). Wenn das Einschlafen Abend für Abend zur Geduldsprobe wird oder Ihr Kind morgens „wie gerädert" aufwacht, sind Sie damit nicht allein – und es gibt Wege, die wirklich helfen.

Dieser Artikel erklärt, woher Schlafprobleme bei Kindern und Jugendlichen kommen, welche Rolle Smartphones spielen, was Eltern konkret tun können – und wann es sinnvoll ist, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Schlafprobleme und Erschöpfung bei Schulkindern in Deutschland
Schlafen schlecht37%
Wöchentliche Erschöpfung65%
Schlafprobleme bei niedriger Gesundheitskompetenz41%

Quelle: DAK-Präventionsradar 2025 (Schuljahr 2024/2025, n = 26.586 Schüler:innen)

Schlafstörungen bei Kindern: häufiger, als viele Eltern denken

Schlechter Schlaf in Kindheit und Jugend ist in den letzten Jahren zu einem stillen Massenphänomen geworden. Der DAK-Präventionsradar 2025, der über 26.000 Schulkinder befragt hat, zeigt: 37 Prozent schlafen regelmäßig schlecht, 65 Prozent fühlen sich mindestens einmal pro Woche erschöpft – ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr (DAK-Gesundheit, 2025). Auch repräsentative Daten der KiGGS-Studie des Robert Koch-Instituts bestätigen: In der Pubertät erreichen nur noch etwa 60 Prozent der Jugendlichen die empfohlene Schlafdauer (RKI, 2018).

Diese Zahlen passen in ein größeres Bild. Die COPSY-Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) zeigt seit 2020 eine anhaltende Belastung der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen: Auch in der achten Befragungswelle (Dezember 2025) berichtet jedes fünfte Kind von eingeschränkter Lebensqualität (UKE, 2025). Schlafstörungen sind in diesem Kontext oft eines der ersten sichtbaren Warnzeichen – noch bevor andere Belastungen erkennbar werden.

Welche Formen von Schlafstörungen gibt es?

„Mein Kind schläft schlecht" – das kann ganz Verschiedenes bedeuten. Damit Sie einordnen können, was bei Ihrem Kind im Vordergrund steht, hier die häufigsten Formen im Überblick:

Häufige Schlafstörungen im Kindes- und Jugendalter
FormSo zeigt sie sichHäufig betroffene Altersgruppe
EinschlafstörungDas Kind liegt jeden Abend lange wach, kommt nicht zur Ruhe, schaut wiederholt auf die UhrAlle Altersgruppen, besonders Schulkinder
DurchschlafstörungDas Kind wacht nachts mehrfach auf und findet schwer wieder in den SchlafVor allem jüngere Kinder, oft mit Ängsten verbunden
AlbträumeLebhafte, beängstigende Träume, aus denen das Kind weinend oder verängstigt aufwachtHäufig zwischen 4 und 12 Jahren
Pavor nocturnus (Nachtschreck)Plötzliches Hochschrecken im Tiefschlaf mit Schreien – das Kind ist nicht ansprechbar und erinnert sich morgens nichtVor allem 3–8 Jahre
Verschobener Schlaf-Wach-RhythmusErst spät müde, morgens kaum aus dem Bett – schulische Leistungen leidenTypisch in der Pubertät

Quelle: Angelehnt an AWMF S1-Leitlinie 028-012 (DGKJP, 2022)

Ein Hinweis vorab: Ein einzelner Albtraum oder ein Nachtschreck-Erlebnis ist selten ein Grund zur Sorge. Erst wenn diese Ereignisse häufig wiederkehren oder das Kind sich tagsüber davor zu fürchten beginnt, lohnt sich eine genauere Abklärung.

Warum schlafen Kinder und Jugendliche schlecht? – Die häufigsten Ursachen

Hinter Schlafstörungen steckt fast nie nur ein einzelner Grund. Meistens kommen mehrere Faktoren zusammen. Aus therapeutischer Sicht lohnt es sich, diese drei Ebenen zu unterscheiden:

1. Emotionale Belastungen. Bei Kindern und Jugendlichen sind seelische Themen die mit Abstand häufigste Ursache. Trennungsangst (vor allem bei jüngeren Kindern), Schulstress, Mobbing, Konflikte in der Familie, Sorgen um Freundschaften oder die Zukunft – all das schlägt nachts oft besonders zu, wenn der Tag still wird und die Gedanken kreisen (DGKJP).

2. Biologische Veränderungen in der Pubertät. Der innere Schlaf-Wach-Rhythmus von Jugendlichen verschiebt sich biologisch nach hinten – sie werden abends später müde und brauchen morgens länger. Das ist keine Faulheit, sondern eine echte hormonelle Umstellung.

3. Lebensstil und Umgebung. Unregelmäßige Schlafzeiten, fehlende Tagesstruktur, zu wenig Bewegung, koffeinhaltige Getränke (Energy-Drinks!) – und nicht zuletzt: Bildschirme. Der letzte Punkt verdient ein eigenes Kapitel.

Organische Ursachen wie Schlafapnoe, eine Schilddrüsenerkrankung oder das Restless-Legs-Syndrom kommen zwar seltener vor, sollten bei anhaltenden Beschwerden aber immer durch den Kinderarzt oder die Kinderärztin ausgeschlossen werden.

Smartphone, TikTok & Co.: der unterschätzte Schlafräuber

Wer Eltern fragt, was ihre Jugendlichen am Einschlafen hindert, hört heute fast immer dasselbe: das Handy. Die Zahlen geben ihnen recht. Laut der JIM-Studie 2025 verbringen Jugendliche in Deutschland im Schnitt knapp vier Stunden täglich am Smartphone – bei volljährigen Jugendlichen sind es sogar viereinhalb Stunden (Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, 2025).

Besonders problematisch ist die abendliche Nutzung. Rund 30 Prozent der Jugendlichen geben selbst an, morgens müde zu sein, weil sie nachts zu spät am Handy waren (JIM-Studie 2025). Eine Stellungnahme der Deutschen Hirnstiftung warnt: Nächtliche Smartphone-Nutzung gilt als einer der stärksten Vorhersagefaktoren für Schlafstörungen und für depressive Symptome bei Jugendlichen (Hirnstiftung, 2024).

Was passiert, wenn Kinder dauerhaft schlecht schlafen?

Ein, zwei schlechte Nächte verkraften Kinder gut. Wird Schlafmangel jedoch zum Dauerzustand, verändert sich vieles – oft schleichend, aber spürbar:

  • Konzentration und Lernen lassen nach. Kinder können dem Unterricht schlechter folgen, machen mehr Flüchtigkeitsfehler, vergessen Hausaufgaben.
  • Stimmung und Verhalten kippen: Reizbarkeit, schnelle Tränen, Wutausbrüche oder Rückzug nehmen zu.
  • Körperliche Beschwerden wie Kopfschmerzen, Bauchschmerzen oder häufige Infekte werden häufiger.
  • Das Risiko für psychische Erkrankungen steigt langfristig: Bis zu 90 Prozent der Kinder und Jugendlichen mit einer Depression haben einen gestörten Schlaf – und schlechter Schlaf in der Jugend erhöht umgekehrt das spätere Risiko für Depressionen und Angststörungen deutlich (DGKJP).

Diese Wechselwirkung ist wichtig zu verstehen: Schlafstörungen sind nicht nur ein Symptom psychischer Belastung, sondern können diese auch verstärken oder mit auslösen. Genau deshalb lohnt es sich, früh hinzuschauen – nicht aus Sorge, sondern aus Fürsorge.

Was Eltern jetzt tun können – Schritt für Schritt

Die gute Nachricht: Bei den meisten Schlafstörungen lässt sich mit überschaubarem Aufwand viel erreichen. Die folgenden Schritte basieren auf den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) und auf bewährten verhaltenstherapeutischen Prinzipien.

Sechs Schritte zu besserem Schlaf
  1. 1
    Feste Zeiten – auch am Wochenende
    Der wichtigste Hebel überhaupt: Gleiche Zubettgeh- und Aufstehzeiten an allen Tagen, mit einer Toleranz von höchstens einer Stunde am Wochenende. Der Körper liebt Verlässlichkeit – und der innere Rhythmus stabilisiert sich oft schon nach zwei bis drei Wochen.
  2. 2
    Ein ruhiges Einschlafritual etablieren
    15 bis 30 Minuten vor dem Schlafen das gleiche, ruhige Programm: Zähne putzen, Pyjama, eine Geschichte oder leise Musik, gedämpftes Licht. Bei Jugendlichen kann das eine kurze Dusche, Tagebuch oder Lesen sein. Das Ritual signalisiert dem Körper: gleich ist Schlafenszeit.
  3. 3
    Bildschirme vor dem Schlafen tabu
    Mindestens eine Stunde vor dem Schlafengehen kein Smartphone, kein Tablet, kein Fernsehen. Bei Jugendlichen ist das oft die größte Hürde – aber auch der wirksamste Schritt. Das Handy sollte nachts nicht im Schlafzimmer liegen, sondern an einem festen Ladeplatz außerhalb.
  4. 4
    Tagsüber Bewegung und Tageslicht
    Ausreichend frische Luft und Bewegung am Tag fördern die natürliche Müdigkeit am Abend. Schon 30 Minuten draußen, möglichst am Vormittag, helfen dem inneren Rhythmus.
  5. 5
    Den Sorgen einen Platz geben
    Vielen Kindern hilft es, am Abend kurz mit den Eltern über den Tag zu sprechen oder Sorgen in einem kleinen Sorgenbuch aufzuschreiben. Das nimmt den Gedanken die Macht, nachts wiederzukehren – und schafft emotionale Entlastung vor dem Schlafen.
  6. 6
    Geduld haben – und nicht zu früh aufgeben
    Veränderungen brauchen mindestens zwei bis drei Wochen, um sich zu etablieren. Bleiben Sie auch bei Rückschlägen freundlich konsequent. Wenn sich nach vier bis sechs Wochen konsequenter Umsetzung nichts gebessert hat, ist eine fachliche Abklärung sinnvoll.

Wann Schlafhygiene allein nicht mehr reicht

Schlafhygiene ist die Grundlage – aber sie ist kein Allheilmittel. Wenn Schlafprobleme über Wochen anhalten, mit deutlicher Belastung im Alltag verbunden sind oder sich Hinweise auf eine zugrunde liegende emotionale Belastung zeigen, sollte fachliche Unterstützung in Anspruch genommen werden.

Bei länger anhaltenden Schlafstörungen empfehlen das Deutsche Ärzteblatt und die einschlägigen AWMF-Leitlinien die Kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I) als Behandlung der ersten Wahl – noch vor Medikamenten (Deutsches Ärzteblatt; AWMF, 2025). Studien zeigen: 70 bis 80 Prozent der Betroffenen profitieren von KVT-I, und die positiven Effekte halten oft Jahre nach dem Therapieende an.

In der Verhaltenstherapie arbeiten Kinder, Jugendliche und Eltern an drei Bausteinen:

  • Verhalten: Schlafgewohnheiten verändern, einen stabilen Rhythmus aufbauen, abendliche Reize reduzieren.
  • Gedanken: Belastende Gedanken vor dem Einschlafen erkennen, hinterfragen und ersetzen („Wenn ich jetzt nicht einschlafe, ist morgen alles vorbei" – stimmt das wirklich?).
  • Körper: Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung oder ruhige Atemübungen erlernen, die das Nervensystem herunterfahren.

Bei jüngeren Kindern wird diese Arbeit kindgerecht spielerisch gestaltet und immer eng mit den Eltern abgestimmt – denn ohne die Familie funktioniert kein neuer Schlafrhythmus.

Hilfe bei Schlafstörungen für Kinder und Jugendliche in Würzburg

Wenn Ihr Kind seit längerem nicht zur Ruhe findet – wenn die Nächte zur Belastung werden und der Alltag darunter leidet – muss das nicht so bleiben. Schlafstörungen gehören zu den am besten behandelbaren psychischen Beschwerden im Kindes- und Jugendalter. Voraussetzung ist, dass die zugrunde liegenden Ursachen erkannt und gezielt angegangen werden.

In meiner Praxis für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie in Würzburg begleite ich Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Schlafproblemen mit verhaltenstherapeutischen Methoden. Häufig zeigen sich dabei zugrunde liegende Themen wie Ängste, depressive Verstimmungen oder Belastungen rund um die Schule, die im Rahmen der Therapie gemeinsam bearbeitet werden.

Der erste Schritt ist ein unverbindliches Erstgespräch. Informationen zum Ablauf einer Therapie, zu den Kosten und zur Kostenübernahme sowie zu Therapieangeboten für Eltern und für Jugendliche finden Sie auf dieser Website. Bei Fragen erreichen Sie mich gerne über das Kontaktformular.

Quellen und weiterführende Informationen

  • DAK-Gesundheit (2025): Präventionsradar 2025 – Gesundheitskompetenz und Wohlbefinden von Schulkindern. dak.de
  • Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Child Public Health (2025): COPSY-Studie, Welle 8 (Dezember 2025). uke.de
  • Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (2025): JIM-Studie 2025 – Jugend, Information, Medien. mpfs.de
  • Deutsche Hirnstiftung (2024): Pressemitteilung „Smartphone-Nutzung am späten Abend beeinträchtigt die Schlafqualität". hirnstiftung.org
  • Robert Koch-Institut (2018): KiGGS Welle 2 – Schlafdauer bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. rki.de
  • Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) / AWMF (2022): S1-Leitlinie „Nichtorganische Schlafstörungen (F51)" (AWMF-Reg.-Nr. 028-012). register.awmf.org
  • Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) / AWMF (2025): S3-Leitlinie „Insomnie bei Erwachsenen" (Update April 2025, AWMF-Reg.-Nr. 063-003). register.awmf.org
  • Deutsches Ärzteblatt: Schlafstörungen – Kognitive Verhaltenstherapie als Mittel der ersten Wahl. aerzteblatt.de
  • Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ): Elterninformation – Kind schläft nicht. dgkj.de

Über die Autorin

Dieser Artikel wurde verfasst von Madlen Voigt, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin. In meiner Praxis in Würzburg biete ich diagnostische und therapeutische Hilfe bei psychischen Belastungen an.

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