Stress im Studium: Wenn aus Anspannung Erschöpfung wird
Studienstress, Überforderung und Burnout erkennen – Warnsignale, Selbsthilfe und Anlaufstellen für Studierende in Würzburg. Jetzt informieren.
Artikel lesenDieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine professionelle Diagnostik oder Behandlung. Bei Verdacht auf eine psychische Erkrankung wenden Sie sich bitte an eine Fachperson.
Es ist 22:30 Uhr. Eigentlich sollte Lina längst schlafen. Stattdessen wälzt sich die 11-Jährige seit zwei Stunden im Bett, weint leise vor sich hin: „Ich kann nicht einschlafen, Mama." Am nächsten Morgen ist sie kaum aus dem Bett zu bekommen, in der Schule müde, gereizt – und am Abend beginnt das Ganze von vorn. Solche Szenen kennen viele Eltern. Was als „nur eine Phase" beginnt, kann sich über Wochen oder Monate hinziehen – und alle in der Familie zermürben.
Schlafstörungen bei Kindern und Jugendlichen sind kein Randthema, sondern eines der häufigsten Gesundheitsprobleme im Schulalter. Laut dem aktuellen DAK-Präventionsradar 2025 schläft mehr als jedes dritte Schulkind in Deutschland (37 %) regelmäßig schlecht (DAK-Gesundheit, 2025). Wenn das Einschlafen Abend für Abend zur Geduldsprobe wird oder Ihr Kind morgens „wie gerädert" aufwacht, sind Sie damit nicht allein – und es gibt Wege, die wirklich helfen.
Dieser Artikel erklärt, woher Schlafprobleme bei Kindern und Jugendlichen kommen, welche Rolle Smartphones spielen, was Eltern konkret tun können – und wann es sinnvoll ist, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen.
Quelle: DAK-Präventionsradar 2025 (Schuljahr 2024/2025, n = 26.586 Schüler:innen)
Schlechter Schlaf in Kindheit und Jugend ist in den letzten Jahren zu einem stillen Massenphänomen geworden. Der DAK-Präventionsradar 2025, der über 26.000 Schulkinder befragt hat, zeigt: 37 Prozent schlafen regelmäßig schlecht, 65 Prozent fühlen sich mindestens einmal pro Woche erschöpft – ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr (DAK-Gesundheit, 2025). Auch repräsentative Daten der KiGGS-Studie des Robert Koch-Instituts bestätigen: In der Pubertät erreichen nur noch etwa 60 Prozent der Jugendlichen die empfohlene Schlafdauer (RKI, 2018).
Diese Zahlen passen in ein größeres Bild. Die COPSY-Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) zeigt seit 2020 eine anhaltende Belastung der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen: Auch in der achten Befragungswelle (Dezember 2025) berichtet jedes fünfte Kind von eingeschränkter Lebensqualität (UKE, 2025). Schlafstörungen sind in diesem Kontext oft eines der ersten sichtbaren Warnzeichen – noch bevor andere Belastungen erkennbar werden.
„Mein Kind schläft schlecht" – das kann ganz Verschiedenes bedeuten. Damit Sie einordnen können, was bei Ihrem Kind im Vordergrund steht, hier die häufigsten Formen im Überblick:
| Form | So zeigt sie sich | Häufig betroffene Altersgruppe |
|---|---|---|
| Einschlafstörung | Das Kind liegt jeden Abend lange wach, kommt nicht zur Ruhe, schaut wiederholt auf die Uhr | Alle Altersgruppen, besonders Schulkinder |
| Durchschlafstörung | Das Kind wacht nachts mehrfach auf und findet schwer wieder in den Schlaf | Vor allem jüngere Kinder, oft mit Ängsten verbunden |
| Albträume | Lebhafte, beängstigende Träume, aus denen das Kind weinend oder verängstigt aufwacht | Häufig zwischen 4 und 12 Jahren |
| Pavor nocturnus (Nachtschreck) | Plötzliches Hochschrecken im Tiefschlaf mit Schreien – das Kind ist nicht ansprechbar und erinnert sich morgens nicht | Vor allem 3–8 Jahre |
| Verschobener Schlaf-Wach-Rhythmus | Erst spät müde, morgens kaum aus dem Bett – schulische Leistungen leiden | Typisch in der Pubertät |
Quelle: Angelehnt an AWMF S1-Leitlinie 028-012 (DGKJP, 2022)
Ein Hinweis vorab: Ein einzelner Albtraum oder ein Nachtschreck-Erlebnis ist selten ein Grund zur Sorge. Erst wenn diese Ereignisse häufig wiederkehren oder das Kind sich tagsüber davor zu fürchten beginnt, lohnt sich eine genauere Abklärung.
Hinter Schlafstörungen steckt fast nie nur ein einzelner Grund. Meistens kommen mehrere Faktoren zusammen. Aus therapeutischer Sicht lohnt es sich, diese drei Ebenen zu unterscheiden:
1. Emotionale Belastungen. Bei Kindern und Jugendlichen sind seelische Themen die mit Abstand häufigste Ursache. Trennungsangst (vor allem bei jüngeren Kindern), Schulstress, Mobbing, Konflikte in der Familie, Sorgen um Freundschaften oder die Zukunft – all das schlägt nachts oft besonders zu, wenn der Tag still wird und die Gedanken kreisen (DGKJP).
2. Biologische Veränderungen in der Pubertät. Der innere Schlaf-Wach-Rhythmus von Jugendlichen verschiebt sich biologisch nach hinten – sie werden abends später müde und brauchen morgens länger. Das ist keine Faulheit, sondern eine echte hormonelle Umstellung.
3. Lebensstil und Umgebung. Unregelmäßige Schlafzeiten, fehlende Tagesstruktur, zu wenig Bewegung, koffeinhaltige Getränke (Energy-Drinks!) – und nicht zuletzt: Bildschirme. Der letzte Punkt verdient ein eigenes Kapitel.
Organische Ursachen wie Schlafapnoe, eine Schilddrüsenerkrankung oder das Restless-Legs-Syndrom kommen zwar seltener vor, sollten bei anhaltenden Beschwerden aber immer durch den Kinderarzt oder die Kinderärztin ausgeschlossen werden.
Wer Eltern fragt, was ihre Jugendlichen am Einschlafen hindert, hört heute fast immer dasselbe: das Handy. Die Zahlen geben ihnen recht. Laut der JIM-Studie 2025 verbringen Jugendliche in Deutschland im Schnitt knapp vier Stunden täglich am Smartphone – bei volljährigen Jugendlichen sind es sogar viereinhalb Stunden (Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, 2025).
Besonders problematisch ist die abendliche Nutzung. Rund 30 Prozent der Jugendlichen geben selbst an, morgens müde zu sein, weil sie nachts zu spät am Handy waren (JIM-Studie 2025). Eine Stellungnahme der Deutschen Hirnstiftung warnt: Nächtliche Smartphone-Nutzung gilt als einer der stärksten Vorhersagefaktoren für Schlafstörungen und für depressive Symptome bei Jugendlichen (Hirnstiftung, 2024).
Ein, zwei schlechte Nächte verkraften Kinder gut. Wird Schlafmangel jedoch zum Dauerzustand, verändert sich vieles – oft schleichend, aber spürbar:
Diese Wechselwirkung ist wichtig zu verstehen: Schlafstörungen sind nicht nur ein Symptom psychischer Belastung, sondern können diese auch verstärken oder mit auslösen. Genau deshalb lohnt es sich, früh hinzuschauen – nicht aus Sorge, sondern aus Fürsorge.
Die gute Nachricht: Bei den meisten Schlafstörungen lässt sich mit überschaubarem Aufwand viel erreichen. Die folgenden Schritte basieren auf den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) und auf bewährten verhaltenstherapeutischen Prinzipien.
Schlafhygiene ist die Grundlage – aber sie ist kein Allheilmittel. Wenn Schlafprobleme über Wochen anhalten, mit deutlicher Belastung im Alltag verbunden sind oder sich Hinweise auf eine zugrunde liegende emotionale Belastung zeigen, sollte fachliche Unterstützung in Anspruch genommen werden.
Bei länger anhaltenden Schlafstörungen empfehlen das Deutsche Ärzteblatt und die einschlägigen AWMF-Leitlinien die Kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I) als Behandlung der ersten Wahl – noch vor Medikamenten (Deutsches Ärzteblatt; AWMF, 2025). Studien zeigen: 70 bis 80 Prozent der Betroffenen profitieren von KVT-I, und die positiven Effekte halten oft Jahre nach dem Therapieende an.
In der Verhaltenstherapie arbeiten Kinder, Jugendliche und Eltern an drei Bausteinen:
Bei jüngeren Kindern wird diese Arbeit kindgerecht spielerisch gestaltet und immer eng mit den Eltern abgestimmt – denn ohne die Familie funktioniert kein neuer Schlafrhythmus.
Wenn Ihr Kind seit längerem nicht zur Ruhe findet – wenn die Nächte zur Belastung werden und der Alltag darunter leidet – muss das nicht so bleiben. Schlafstörungen gehören zu den am besten behandelbaren psychischen Beschwerden im Kindes- und Jugendalter. Voraussetzung ist, dass die zugrunde liegenden Ursachen erkannt und gezielt angegangen werden.
In meiner Praxis für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie in Würzburg begleite ich Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Schlafproblemen mit verhaltenstherapeutischen Methoden. Häufig zeigen sich dabei zugrunde liegende Themen wie Ängste, depressive Verstimmungen oder Belastungen rund um die Schule, die im Rahmen der Therapie gemeinsam bearbeitet werden.
Der erste Schritt ist ein unverbindliches Erstgespräch. Informationen zum Ablauf einer Therapie, zu den Kosten und zur Kostenübernahme sowie zu Therapieangeboten für Eltern und für Jugendliche finden Sie auf dieser Website. Bei Fragen erreichen Sie mich gerne über das Kontaktformular.
Dieser Artikel wurde verfasst von Madlen Voigt, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin. In meiner Praxis in Würzburg biete ich diagnostische und therapeutische Hilfe bei psychischen Belastungen an.
Kontakt aufnehmenStudienstress, Überforderung und Burnout erkennen – Warnsignale, Selbsthilfe und Anlaufstellen für Studierende in Würzburg. Jetzt informieren.
Artikel lesenAufschieben im Studium verstehen und überwinden: KVT-Modell, evidenzbasierte Strategien und Anlaufstellen in Würzburg. Jetzt informieren.
Artikel lesenTrauma bei Kindern erkennen: Warnsignale, Ursachen und konkrete Schritte für Eltern. Fachlich fundiert und einfühlsam erklärt.
Artikel lesen